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Braucht Kunst eine Definition?

Hier eine These leider ohne Quellenangabe


Die kürzeste mir bekannte Definition für Kunst lautet: "Kunst kommt von Können!" Als Verfechter moderner Tendenzen dem Wollen, als dem Können überlegen, die führende Rolle bei der Erschaffung von Kunstwerken zuschrieben, fügten skeptische Scherzbolde hinzu: "... und käme sie von Wollen, hieße sie Wunst!"

Definition und Kunst, geht das überhaupt zusammen? Und wenn, wer bräuchte eine Definition für Kunst? Die Künstler sicherlich nicht - gar mancher ihrer Großen hat sich erst durch den Bruch mit der jeweilig geltenden Definition definiert. Die Kunstliebhaber, wenn wir dem Wortlaut folgen, bauen ihre Beziehung zur Kunst mit dem Herzen und Definitionen gehören der Wissenschaft. Die Kunstkenner analysieren die Vielfalt, stellen fest eine fortwährende Zyklizität und brauchen somit keine Definitionen.

Die Geldanleger scheint es, bräuchten sie am ehesten, aber wenn wir hier dem Wortlaut folgen, ist Geld ihre Spezialität und sie könnten auch den größten Fehlgriff mit Gewinn weiterverkaufen. Also brauchen sie auch keine Definition.

Allerdings, stimmt es einen traurig, wenn heute gebildete Menschen gelegentlich: "Ich verstehe nichts von Kunst", sagen. Bräuchten sie vielleicht eine Definition? Gebildete Menschen zeichnen sich dadurch aus, dass sie wissen wie wenig sie eigentlich wissen und das macht sie sehr zurückhaltend in ihren Äußerungen. Vertieft in die Materie ihres Spezialgebiets, haben sie natürlich nicht so viel Zeit für die Kunst. Sie sind aber gewohnt jede Wissenschaft, so auch die Kunstwissenschaft ernst zu nehmen. Daher trauen sie sich nicht angesichts eines Kunstwerks ihre spontane Meinung zu verteidigen. Wenn sie nicht imstande sind, mit ihrem gesunden Menschenverstand den Deutungen der Kunstspezialisten zu folgen, ziehen sie sich bescheiden hinter ein "ich verstehe nichts davon" zurück. Die Kunst, sei es die bildende oder die der Musik, ist aber keine Wissenschaft. Das Erlernen ihrer wissenschaftlichen Gründe, wie Proportionslehre, mathematische Perspektive, oder Harmonie macht noch lange keinen Künstler und ihre bloße Anwendung - keine Kunst. Aber hier ist die Rede ja sowieso nur von der Rezeption der Kunst. Und um die Kunst zu verstehen, braucht man nur seine Sinne und seinen gesunden Menschenverstand. Schon Cicero (106-43) soll gesagt haben, dass alle Menschen dazu befähigt sind, in der Kunst, selbst ohne Kenntnis der Regeln, das Gute vom Schlechten zu unterscheiden. Und in den Jahrhunderten nach ihm wird dieser Gedanke immer wieder aufkommen.

Interessanterweise geschieht das immer in Zeiten des Aufschwungs von wissenschaftlichem Denken auf Kosten des religiösen Glaubens, mit anderen Worten, in Zeiten, in denen selbständiges Denken attraktiver geworden ist, als das Befolgen von Dogmen. Während der glorreichen Epoche der Renaissance formulierte zum Beispiel Albrecht Dürer den Gedanken so: "... So du ein Werk deines Gefallens gemacht hast, so stelle das vor grobe, unverständige Leute, lass sie darüber urteilen. Denn sie ersehen gewöhnlich das Allerungeschickteste, wiewohl sie das Gute nit verstehen..."

In der Zeit der Aufklärung, am Vorabend der Französischen Revolution, war es Immanuel Kant, der der Urteilskraft seiner Mitmenschen vertraut hatte. Kein spezielles Talent, keine Gabe, sondern Einheit von Einbildung und Verstand lassen, seiner Meinung nach, jeden Menschen das Gute erkennen. Also, bräuchten diese Menschen nur etwas Zeit für ihre Auseinandersetzung mit der Kunst, nur keine Definition. Denn so wie sie gewohnt sind der Sache auf den Grund zu gehen, werden sie schnell feststellen, dass es keine Definition im wissenschaftlichen Sinne geben kann. Mal wird die genaueste Naturnachahmung als höchste Kunst gepriesen, wie es die antike Anekdote von Apelles wiedergibt, mal wird man in einem schwarzen Quadrat die höchste schöpferische Kraft offenbart sehen.

Es steht uns näher im perfekten Naturnachahmer, in dem Schöpfer von Illusionen, den großen Künstler zu erkennen, weil wir naturgemäß auf Täuschungen hereinfallen. Bei solcher Kunst erkennen wir die Gotteshand und erbeben in Ehrfurcht vor dem Tun eines Auserwählten...

Die Abstrakten rufen keine Bewunderung in uns auf, dafür aber Dankbarkeit für die "Enttäuschung", für das vermittelte Gefühl: "Das kann ich auch und es gibt keine Auserwählten, wir sind alle gleich!" Wer soll hier Recht behalten und als Muster dienen?

Im Duden steht eine Definition vom Gegensatz der Kunst - von Kitsch. Sie lautet: geschmacklose, süßlich - sentimentale Scheinkunst. Das klingt nur wie Definition, kann aber keine sein, denn es sind Begriffe darin enthalten, die ihrerseits nicht definiert sind. Es gibt weder Definition für Geschmack, damit man daraus geschmacklos verstehen könnte, noch gibt es Definition von Kunst, damit man Scheinkunst aus ihr ableiten könnte. Aber es ist gleichzeitig Tatsache, daß die Mehrheit der Menschen ganz gut zwischen Kunst und Kitsch unterscheiden kann.

Wenn wir uns die Definition der Jurisprudenz für Sittenwidrigkeit anschauen, ist sie auch nicht viel klarer. Sie lautet:" Verstoß gegen das Anstandsgefühl aller billig und gerecht denkenden". Und doch können Richter ihr Urteil sicher fällen und Gerichtete sehr wohl deren Sinn folgen... Definition als Instrument des Urteils? Selbst hier, auf dem ernsthaften Gebiet der Rechtsprechung, kann man sich nur auf die Vernunft verlassen. Im Bereich des zwischenmenschlichen Handelns versagen die Definitionen.

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