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WATT´N KUNST 08 PROJEKTSEITE

Von der Kunst, einen Föhrer Kunst- Kartoffelsalat zu machen oder I like potatoes!

 

Kleiner philosophischer Exkurs in ein unendliches Thema Gut, Beispiele für die gewählte Überschrift gibt es wahrscheinlich genügend. Schwingen doch immer noch „Zen – oder die Kunst ein Motorrad zu warten“ von Robert M. Pirsig und „Die Kunst einen Bleistift zu spitzen“ von David Rees parallel mit. Nachdem es darüber hinaus auch noch eine Auswahl von Büchern gibt, die sich mit der Kochkunst oder der Kunst des Kochen beschäftigen und auch Spitzenköche wie Taillevant (Guillaume Tirel) und Escoffier bis Witzigmann (Koch des Jahrhunderts ?) und den Dokumenta-Teilnehmer Ferran Adria einschließlich der Kritiker Thomas Platt oder Jürgen Dollase, die nicht weniger müde wurden und werden, Kochen immer wieder in der Aura der Kunst zu verorten. Da kann es doch nichts Besseres geben, als die Kartoffel und den zu erwartenden Salat für ein Paradoxon oder Metapher zur Erläuterung „Wie geht’s der Kunst!“ zu verwenden.

Nimmt man jetzt auch noch den Kartoffelschäler hinzu, wird es komplexer. Der Kartoffelschäler wird benötigt, um die Kartoffel zu schälen. Der Pinsel und der Bleistift werden benötigt, um die Kartoffel zu zeichnen oder zu malen. Also, aus ihr Kunst zu machen, falls man das jetzt schon so abrupt formulieren darf. Ich kann natürlich auch aus einem Kartoffelrezept, das ich Buchstabe für Buchstabe zerschneide und es im dadaistischen Sinn wieder zusammensetze, auch Kartoffelsalat machen. Selbstverständlich kann ich einen Kartoffelschäler signieren und ihn in Bezug auf Marcel Duchamp zum Kunstwerk erklären. Natürlich kann ich eine Hülle und Fülle von Kartoffelschälern zu einer Skulptur komponieren á là Jean Tinguely und sie mit einem Solarmotor angetrieben über die Föhrer Kartoffelfelder robben lassen.

Mit der Kamera kann ich die Kartoffel übrigens auch fotografieren und daraus das Digitalfoto machen, das auf der Festplatte gespeichert und auf die Leinwand gedruckt werden kann, die ich dann mit Farbe und Lack verifizieren und aufhübschen will, damit sie so aussehen, wie die Arbeit „Die Kartoffeln“ von van Gogh. Habe ich hier gerade Kunst durch Arbeit ersetzt?

Wie es der Kunst mittlerweile geht, scheint eigentlich niemanden mehr zu interessieren, oder?

Boris Groys, Prof. an der Faculty of Art and Science in New York, macht es sich dabei ganz schön einfach: „Die Kunst sagt zu ihrem Betrachter: Ich bin nicht das, was du von mir denkst!“ Den Bogen zur Erkenntnis erweitert mir dann noch Hans Ulrich Obrist, einer der zzt. einflussreichsten Kuratoren der Gegenwartskunst: „Kunst kann überall sein, draußen vor dem Fenster, unter unseren Füßen, zu Hause“. Natürlich im übertragenen Sinn auch unter der Erde, in einem Kartoffelacker!

Für mich impliziert das, dass ich doch einmal unter der Kartoffelschale nachschaue, ob da die Kunst ist und vor allem, wie es ihr geht! Armin Nassehi, Professor für Soziologie an der Ludwig Maximilian Universität München, schreibt in seinem Editorial im KURSBUCH 184 „Was macht die Kunst?“: [………..An der Kunst sich zu reiben, heißt nach wie vor, ihren Sonderstatur als Erkenntnismittel, als Kritikmedium und als das ganz Andere in den Blick zu nehmen – um dann am Ende doch darauf zu kommen, dass die Kunst der Gesellschaft und der Welt nicht gegenübersteht…..]

Ich hoffe, dass das Schälen einer Kartoffel dieses Spannungsfeld zwischen Kunst, Gesellschaft und Welt konkreter in den Fokus der Erkenntnis bringen kann und wenn dann noch ein hervorragender Kartoffelsalat herauskommt, dann ist die Welt auf Föhr vielleicht wieder in Ordnung. Was mit der Kunst weiterhin passiert, darüber berichte ich das nächste Mal, falls einer danach fragt.

Guten Appetit beim nächsten Kartoffelsalat!